Eine „wahre“ Weihnachtsgeschichte PDF Drucken E-Mail

Als Journalistin führe ich regelmäßig Interviews mit Prominenten Personen des öffentlichen Lebens aus Politik, Kunst, Kultur, Wirtschaft und Sport. So war ich schon bei Ministerpräsident a.D. Kurt Beck, Stadtbürgermeister Werner Kastner, dem Fußballspieler Benjamin Auer, dem Starfotografen Emanuel Döringer und dem Vorsitzenden des PWV Edenkoben Ludwig Lintz. Dieses Mal habe ich den Auftrag den Heiligen Nikolaus zu interviewen. Ich muss einen weiten Weg auf mich nehmen, denn der Nikolaus wohnt in Finnland genauer gesagt in einem kleinen Häuschen in Korvantunturi. Als ich ankomme ist er gerade im Begriff die vielen Wunschzettel von Kindern aus aller Welt aus dem Briefkasten zu holen. Er freut sich über meinen Besuch, setzt sich in seinen Schaukelstuhl, zündet eine Kerze an, schenkt mir und sich eine Tasse Punsch ein, streicht über seinen langen Bart und beginnt zu erzählen. „Mein richtiger Name ist Nikolaus von Myra, das ist eine kleine Stadt in der heutigen Türkei. Ich wurde gegen Ende des 3. Jahrhunderts geboren. Wann genau weiß ich nicht mehr, es ist viel zu lange her und wenn ich nachzählen will, dauert es so lange, dass ich meistens dabei einschlafe. Mein Geburtsort hieß Patara, eine Stadt in Lykien in Kleinasien. Als ich 19 Jahre alt war, hat mich mein Onkel, der auch Nikolaus hieß, zum Priester geweiht. Danach wurde ich Bischof von Myra. Nach dem Tod meiner Eltern, die sehr wohlhabend waren, habe ich mit meinen Vermögen den Armen und Bedürftigen geholfen und Kindern Geschenke gekauft, die ich Ihnen nachts durch das Fenster warf.“ Viele Geschichten ranken sich seither um den alten Mann mit dem weißen Bart und dem roten Bischofsgewand. Er rettete drei Unschuldige vor dem Blutrichter, erweckte Menschen wieder zum Leben, beschwichtigte Stürme auf See und bewahrte drei Mädchen vor der Prostitution. Diese Legenden führten dazu, dass er unter anderem als Schutzheiliger der Seefahrer, reisenden Händler, Ministranten, Juristen, Apothekern, vor allem aber der Kinder, gilt. So sind es denn auch heute noch die Kinder, selbstverständlich nur die braven, wie er mit seiner dunklen Stimme lachend erzählt, die er am Nikolaustag, der eigentlich sein Todestag ist, besucht und beschenkt. Auf meine Frage woher er denn weiß, welche Kinder brav sind, antwortet er: „Das steht in meinem Goldenen Buch! Den nicht ganz so artigen Kindern halte ich eine Standpauke und Knecht Ruprecht, den etwas Furcht einflößenden Gehilfen, den ich seit einigen hundert Jahren zur Seite habe, hat für den Notfall seine Rute dabei. Die wird aber nie gebraucht, denn am Ende beschenke ich doch alle Kinder und das sind immerhin zwei Milliarden auf der ganzen Erde“. Ich staune und frage ihn, wie er denn die ganze Arbeit alleine bewältigt? „Hier in Korvantunturi, habe ich kleine Helfer, die Wichtel - und überall in der ganzen Welt sind meine Stellvertreter unterwegs. In Österreich ist es der Nikolo, in England Saint Nicholas, in Slowenien Sveti Nikolaj, in Brasilien Sao Nicolau und in Amerika Santa Claus. Auch Knecht Ruprecht hat Gehilfen, die in Frankreich Pére Fouettard, in der Schweiz Schmutzli und in Kroatien Krampus heißen“. Ausdrücklich trägt er mir auf, seinen Vertreter der sich in Edenkoben auf dem Nikolausmarkt alljährlich um die Kinder kümmert ganz herzlich zu grüßen. „Ach übrigens“, so berichtet er mir weiter, „mich gibt es auch aus Schokolade… mehr als 9000 Tonnen Schokolade werden allein in Deutschland jährlich zu 100 Millionen Schokoladenweihnachtsmännern verarbeitet“. Er zeigt sich stolz, ärgert sich aber insgeheim, denn es sind nur halb so viele wie Osterhasen. „Leider“, so bedauert er, „gibt es immer mehr Kinder und Erwachsene die nicht mehr an mich glauben, daher bin ich riesig froh, dass nun in der „Triefenbachpost“ die Wahrheit über mich steht, dort kann es jeder nachlesen“. Da werde ich ein bisschen verlegen, denn wenn ich ehrlich bin, habe ich schon selbst nicht mehr an den Nikolaus geglaubt. Als ich ihm das eingestehe schaut Nikolaus ein bisschen grimmig und holt sein Goldenes Buch heraus. Er blättert lange, dann erhellt sich sein Gesicht. „Aber wie ich sehe“, so sagt er, „bist du sonst ein ganz braves Mädchen“ und schenkt mir eine Orange. Dann fragt er mich nach meinem Weihnachtswunsch. Da muss ich nicht lange überlegen und bitte ihn dafür zu sorgen, dass im Pfälzer Wald keine Windräder gebaut werden. Das ist viel zu gefährlich für die Tiere, berichte ich ihm - und für mich und meinen fliegenden Rentierschlitten auch, pflichtet er mir bei. Er sagt mir seine volle Unterstützung zu und verspricht, notfalls auch Knecht Ruprecht zu schicken. Das beruhigt mich sehr! …in diesem Moment wache ich auf… Es ist drei Uhr nachts und ich stelle fest, dass ich das Interview mit dem Nikolaus nur geträumt habe. Ich bin ein bisschen traurig, denn er war ein gütiger alter Mann, der mich zum Abschied herzlich umarmt hat. Aber als ich gerade wieder einschlafen will, fällt mein Blick auf meinen Nachttisch und ich sehe - die Orange….

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein frohes neues Jahr 2015 wünschen Euch

Petra und Karl Stubenrauch.